In einem meiner letzten Beiträge habe ich darüber geschrieben, wie ich zum Journaling gekommen bin und warum ein Reflexionstagebuch so eine einfache, aber für mich persönlich total wirkungsvolle Gewohnheit ist.
Und weil die diese Gewohnheit so cool finde, rede ich darüber auch mit vielen Menschen in meinem Umfeld. Tatsächlich kommt dann sehr oft die Frage:
„Aber worüber schreibst du dann eigentlich so jeden Tag?“
Und ich verstehe die Frage total. Mir ging es am Anfang tatsächlich ähnlich. Da saß ich nun mit meinem schönen Notizbuch, einem Stift und plötzlich ist der Kopf erstaunlich leer. Oder voller Gedanken, aber wie ich jetzt genau anfangen sollte, wusste ich auch nicht.
Genau dafür haben mir konkrete Journaling-Fragen sehr geholfen. Besonders am Anfang ist es einfacher für das Gehirn, wenn es über eine konkrete Fragen nachdenken kann.
Deshalb habe ich in diesem Artikel eine Sammlung zusammengestellt:
99 Fragen für dein Journaling.
- Fragen für den Morgen
- Fragen für den Abend
- und Fragen für die etwas größeren Gedanken im Leben
Du musst natürlich nicht alle verwenden. Manche Menschen nehmen jeden Tag eine neue Frage. Andere suchen sich ein paar Lieblingsfragen aus, zu denen sie immer wieder zurückkommen.
Beides ist völlig okay.
Recap: Warum Journaling überhaupt so hilfreich sein kann
Dass Schreiben über Gedanken und Gefühle hilfreich sein kann, ist tatsächlich nicht nur ein Gefühl vieler Menschen, sondern auch wissenschaftlich untersucht.
Der Psychologe James W. Pennebaker von der University of Texas hat über Jahrzehnte zum sogenannten expressive writing geforscht – also dem Schreiben über persönliche Gedanken und Emotionen. In seinen Studien zeigte sich, dass Menschen, die regelmäßig über ihre Gedanken und Gefühle schreiben, häufig von weniger Stress, besserer emotionaler Verarbeitung und mehr Klarheit berichten.
Eine Übersicht über diese Forschung findet sich unter anderem in seiner Arbeit zu expressive writing and emotional processing (Pennebaker & Chung, 2011).
Auch spätere Studien zeigen ähnliche Effekte: Das Aufschreiben von Gedanken kann helfen, emotionale Belastung zu reduzieren und Gedanken zu strukturieren (Baikie & Wilhelm, 2005).
Oder einfacher gesagt: Wenn Gedanken auf Papier landen, müssen sie nicht mehr gleichzeitig im Kopf herumschwirren.
Mein persönliches Journaling-Ritual
Ich persönlich schreibe meistens morgens direkt nach dem Aufstehen für etwa fünf bis zehn Minuten. Das ist nicht besonders lang und passt perfekt in einen vollen Alltag. Dadurch schaffe ich es regelmäßig einzubauen.
Mit der Zeit hat sich daraus mein kleines Ritual am Morgen entwickelt: Ich mache mir ruhige Piano-Musik an, zünde eine Kerze an und mein Palo-Santo-Holz. Dazu gibt es einen duftenden Cappuccino um mein Belohnungssystem im Gehirn ordentlich anzufeuern. Klingt ein bisschen wie „Sonntagmorgen im Wellnesshotel“? 😉 Und genau so ein positives Gefühl braucht mein Gehirn, damit ich mich jeden Morgen auf die Couch setze und los schreibe. Denn sind wir mal ehrlich: sich 10 Minuten länger ins Bett zu kuscheln bevor man aufsteht und in den Tag startet wäre schon eine ziemlich verlockende Alternative. Aber: indem ich mich jeden Morgen dahinsetze und schreibe, wird diese bewusste Entscheidung zu einer Gewohnheit. Das verbindet nicht nur neue neuronale Verbindungen im Gehirn miteinander, sondern ist auch viel einfacher für uns umzusetzen.
Gewohnheiten entstehen leichter, wenn sie mit angenehmen Reizen verbunden sind. In der Verhaltensforschung spricht man dabei von sogenannten Habit Loops – also Gewohnheitsschleifen aus Auslöser, Verhalten und Belohnung. Dieses Modell wird unter anderem im Gewohnheitsmodell von Charles Duhigg beschrieben.
Oder kurz gesagt:
Wenn sich eine Gewohnheit gut anfühlt, bleibt man eher dran.
Journaling am Abend
Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, abends vor dem Schlafengehen zu schreiben.
Das kann helfen, den Tag nochmal bewusst zu reflektieren und Gedanken aus dem Kopf auf Papier zu bringen. Gerade wenn man zum Grübeln neigt, kann dieses „Gedanken-Auslagern“ ziemlich entlastend wirken. Studien zu reflektivem Schreiben zeigen, dass das Aufschreiben von Gedanken helfen kann, emotionale Verarbeitung zu unterstützen und mentale Belastung zu reduzieren.
Und manchmal merkt man erst beim Schreiben: Der Tag war vielleicht doch gar nicht so schlecht, wie er sich zwischendurch angefühlt hat 🙂
Wie du die Journaling Fragen nutzen kannst
Die folgenden Fragen sind einfach Inspiration.
Du kannst zum Beispiel:
- jeden Tag eine neue Frage wählen
- dir ein paar Lieblingsfragen heraussuchen
- oder nur dann eine Frage nutzen, wenn du gerade nicht weißt, worüber du schreiben sollst
Es gibt beim Journaling kein richtig oder falsch. Wichtig ist, dass man einfach damit startet!
33 Journaling Fragen für den Morgen
- Mit welcher Intention starte ich in diesen Tag?
- Wofür bin ich dankbar?
- Was würde diesen Tag heute zu einem guten Tag machen?
- Worauf freue ich mich heute am meisten?
- Wie fühle ich mich gerade – wirklich?
- Was brauche ich heute, um mich gut zu fühlen?
- Was liegt heute in meiner eigenen Kontrolle?
- Welche kleine Sache kann ich heute tun, die mir gut tut?
- Was ist heute meine wichtigste Aufgabe?
- Welche drei Dinge möchte ich heute erledigen?
- Welche Einstellung möchte ich heute bewusst wählen?
- Wie möchte ich heute mit anderen Menschen umgehen?
- Was könnte heute schiefgehen – und wie gehe ich dann damit um?
- Was würde mein zukünftiges Ich heute tun?
- Was gibt mir heute Energie?
- Was raubt mir Energie – und wie kann ich das reduzieren?
- Welche Gewohnheit möchte ich heute bewusst leben?
- Wie möchte ich mich heute Abend fühlen?
- Welche kleine Herausforderung möchte ich heute annehmen?
- Was ist heute wichtiger als Perfektion?
- Welche Gedanken möchte ich heute loslassen?
- Wie kann ich heute etwas Freundliches für jemanden tun?
- Was würde heute Mut erfordern?
- Wie kann ich heute ein bisschen neugieriger sein?
- Was möchte ich heute lernen?
- Was bringt mich heute meinem langfristigen Ziel näher?
- Was würde heute die beste Version von mir selber tun?
- Welche kleine Sache macht mich heute stolz?
- Wo möchte ich heute geduldiger sein?
- Wie kann ich heute mehr im Moment sein?
- Was darf heute leicht sein?
- Welche Gedanken möchte ich heute stärken?
- Was wäre heute ein kleiner persönlicher Sieg?
33 Journaling Fragen für den Abend
- Was war heute der schönste Moment des Tages?
- Wofür bin ich heute dankbar?
- Was habe ich heute gelernt?
- Was lief heute besser als erwartet?
- Wo war ich heute mutig?
- Was hat mich heute überrascht?
- Wann habe ich mich heute lebendig gefühlt?
- Was hat mich heute gestresst – und warum?
- Was würde ich morgen anders machen?
- Was hat mir heute Energie gegeben?
- Was hat mir Energie genommen?
- Was war heute ein kleiner Erfolg?
- Wofür kann ich mir heute selbst danken?
- Wann habe ich heute über mich gelacht?
- Welche Gedanken haben mich heute begleitet?
- Was beschäftigt mich gerade noch?
- Was kann ich heute loslassen?
- Wem bin ich heute begegnet, der mir gut getan hat?
- Was hat mich heute berührt?
- Wann war ich heute besonders präsent?
- Was war heute eine Herausforderung?
- Was habe ich heute über mich gelernt?
- Was möchte ich morgen anders angehen?
- Worauf bin ich heute stolz?
- Was hat mich heute zum Nachdenken gebracht?
- Welche Gefühle waren heute besonders stark?
- Was würde ich meinem heutigen Ich gerne sagen?
- Was darf heute einfach gut genug sein?
- Welche Sache nehme ich positiv aus diesem Tag mit?
- Was möchte ich morgen mit mehr Gelassenheit angehen?
- Was hat mich heute inspiriert?
- Wie fühle ich mich jetzt gerade?
- Mit welchem Gedanken möchte ich heute einschlafen?
33 Große Journaling Fragen fürs Leben
Diese Fragen eignen sich besonders, wenn du mal mehr Zeit zum Schreiben hast.
- Was macht mich wirklich glücklich?
- Wann fühle ich mich am meisten wie ich selbst?
- Welche Werte sind mir im Leben wichtig?
- Wofür möchte ich in meinem Leben stehen?
- Was möchte ich unbedingt einmal ausprobieren?
- Was würde ich tun, wenn ich keine Angst hätte?
- Welche Erfahrungen haben mich am meisten geprägt?
- Was bedeutet Erfolg für mich persönlich?
- Welche Menschen tun mir wirklich gut?
- Wo halte ich mich selbst zurück?
- Welche Gewohnheiten helfen mir – welche nicht?
- Wann fühle ich mich erfüllt?
- Welche Träume habe ich vielleicht zu lange ignoriert?
- Was möchte ich in den nächsten 10 Jahren erleben?
- Was möchte ich lernen?
- Welche Eigenschaften bewundere ich bei anderen Menschen?
- Welche davon habe ich selbst?
- Welche Version von mir möchte ich werden?
- Was ist mir wichtiger als Karriere oder Status?
- Was würde ich bereuen, wenn ich es nie versuche?
- Welche kleinen Dinge machen mein Leben schöner?
- Welche Gedanken limitieren mich?
- Welche Glaubenssätze möchte ich loslassen?
- Was bedeutet für mich ein gutes Leben?
- Wann fühle ich mich wirklich lebendig?
- Welche Erfahrungen möchte ich noch machen?
- Welche Beziehungen möchte ich vertiefen?
- Wofür möchte ich mehr Zeit haben?
- Welche Dinge möchte ich vereinfachen?
- Wie möchte ich in Erinnerung bleiben?
- Welche Entscheidung könnte mein Leben verändern?
- Was möchte ich öfter tun?
- Was sagt mir meine Intuition gerade?
Fazit
Für mich ist Journaling inzwischen eins der einfachsten Werkzeuge geworden, um mit meinen Gedanken und Gefühlen in Kontakt zu bleiben. Der Aufwand ist minimal, es braucht nur ein ein paar Minuten am Tag.
Dafür braucht es keine ellenlangen Texte. Manchmal schreibe ich nur drei Sätze. Manchmal eine ganze Seite. Aber fast jedes Mal passiert etwas Ähnliches:
Gedanken, die vorher völlig wirr im Kopf waren, bekommen plötzlich eine Struktur. Meine Stimmung verändert sich und ich kann mich viel bewusster wahrnehmen. Und genau das hilft mir unglaublich.
Deshalb kann ich wirklich jedem empfehlen, es einfach einmal auszuprobieren.
Nicht perfekt. Aber einfach mal machen!





