Schlagwort: Veränderungen meistern

  • Gewohnheiten verstehen statt sich quälen: Weniger Disziplin, mehr Aufmerksamkeit

    4–5 Minuten

    Es ist später Nachmittag. Der Tag war voll, der Kopf raucht. Eigentlich wollte ich nach der Arbeit noch kurz rausgehen und danach vielleicht etwas Frisches kochen. Stattdessen finde ich mich in der Küche wieder und suche wie ein Eichhörnchen auf Jagd nach der letzten Nuss vor dem Winterschlaf nach etwas Süßem.

    Adorable squirrel enjoying a nut in a sunlit forest setting, showcasing nature's beauty.

    Einfach, weil ich es gerade „brauche“ nach so einem anstrengenden Tag. Mal kurz raus aus dem Stress und sich etwas „Gutes“ tun.  Die Schoki macht mich für einen Moment glücklich, das Dopamin schlägt aus. Aber der Moment geht vorbei und ich fühle mich wieder gestresst. Zusätzlich habe ich jetzt auch ein schlechtes Gewissen und Lust auf rausgehen habe ich jetzt auch nicht mehr. Na toll. Das nennt man wohl eine klassische Lose-Lose Situation. Der innere Schweinehund 1 – meine Disziplin 0.

    Na, erkennst du dich wieder? Vielleicht ist es bei dir nicht die Schokolade, sondern etwas ganz anderes. Aber ich bin mir sicher, dass du so einen Moment schon einmal erlebt hast.

    Solche Momente fühlen sich oft an wie ein persönliches Scheitern.
    Schon wieder.
    Warum kriege ich das nicht hin?

    Und ziemlich schnell ist sie da, diese Erklärung: mangelnde Disziplin.


    Warum wir Gewohnheiten falsch verstehen

    Wenn es um Gewohnheiten geht, reden wir viel über Durchhalten, Selbstkontrolle und Willenskraft. Dabei entstehen Gewohnheiten im ersten Schritt vor allem dort, wo unser Gehirn Energie sparen will.

    Das Gehirn liebt Routinen. Nicht, weil sie gut sind – sondern weil sie effizient sind. Was oft genug wiederholt wird und kurzfristig Erleichterung bringt, wird automatisiert.

    Viele Gewohnheiten, die wir heute verändern wollen, haben uns also irgendwann geholfen. Sie waren Lösungen für Stress, Überforderung oder innere Unruhe. Dass sie heute nicht mehr gut tun, macht sie nicht falsch – nur eben überholt.

    Denn viele Gewohnheiten, die wir gerne ändern würden, sind keine schlechten Entscheidungen. Sie sind Reaktionen. Auf Stress. Auf Überforderung. Auf Gefühle.

    Wahrscheinlich hat da jeder sein eigenes kleines Laster zu tragen. Nach der Arbeit sich durch Serien beschallen lassen? Schnell ein Fertiggericht mampfen anstatt frisch zu kochen? Im Bett liegen bleiben, obwohl man zum Sport wollte?

    Emotionales Essen ist hier ein gutes Beispiel – meine persönliche Königsdisziplin.
    Es ist ja nicht so, als wüsste man nicht, dass Gemüsesticks jetzt viel gesünder wären. Aber darum geht es in dem Moment nicht. Es ist nicht der Magen, der ein Hungersignal gibt.
    Sondern: Süßes leistet in dem Moment etwas: Es beruhigt, lenkt ab, macht es für einen kurzen Moment leichter. Ein kleines Dopamin-High. Ähnlich ist es mit deinen ganz persönlichen Königsdisziplinen: Es fühlt sich zunächst vermeintlich besser an, dient dir aber langfristig nicht mehr.

    Die Gewohnheit ist also nicht das eigentliche Problem.
    Sie ist eine Lösung. Nur eben keine besonders nachhaltige.


    Warum neue Routinen so oft scheitern

    Viele Versuche, Gewohnheiten zu ändern, setzen genau hier falsch an.
    Wir überlegen uns eine bessere Alternative – und wundern uns, warum sie nicht greift.

    Mehr Disziplin. Mehr Struktur. Mehr „Ich sollte doch eigentlich…“.

    Was dabei oft fehlt, ist die Auseinandersetzung mit Fragen wie:

    Was ist eigentlich das Ziel dieser alten Gewohnheit? Stressbewältigung? Erholung? Ein kurzzeitig besseres Gefühl?

    Was brauche ich in diesem Moment wirklich?

    Solange wir das nicht wissen, fühlt sich jede neue Gewohnheit wie zusätzliche Arbeit an. Und nicht wie Unterstützung.


    Verstehen kommt vor Verändern

    Der erste Schritt ist deshalb nicht, etwas anders zu machen.
    Sondern wahrzunehmen, was gerade in uns passiert.

    Welche Gefühle sind da, kurz bevor wir automatisch handeln?
    Stress? Müdigkeit? Langeweile? Innere Unruhe?

    Und genau hier kommt etwas ins Spiel, das erstaunlich unspektakulär klingt – aber viel verändern kann: aufschreiben.


    Journaling als kleine Unterbrechung im Autopiloten

    Es geht dabei nicht um seitenlange Texte oder tiefgründige Analysen.
    Oft reicht ein Satz. Manchmal sogar nur ein Wort.

    • Ich bin gerade überfordert.
    • Ich fühle mich leer.
    • Ich habe eigentlich keine Energie mehr.

    Das Aufschreiben verlangsamt den Gedankenstrom.
    Gefühle werden greifbarer, weniger diffus. Sie verlieren etwas von ihrer Dringlichkeit. Und genau in diesem kleinen Moment entsteht Abstand – zwischen Impuls und Handlung.

    Journaling löst keine Probleme.
    Aber es hilft, sie klarer zu sehen.


    Vier konkrete Schritte für mehr Bewusstsein in deinen Gewohnheiten

    1. Eine Gewohnheit bewusst auswählen
      Bevor du etwas verändern willst, nimm dir einen Moment und frage dich:
      Wenn ich einen Zauberstab hätte – welche Gewohnheit würde ich jetzt bei mir ändern wollen?
      Nicht zehn. Nicht alles auf einmal. Eine Sache, die dich wirklich stört.
    2. Den Moment davor wahrnehmen
      Beobachte diese Gewohnheit für ein paar Tage, ohne sie zu verändern. Wann tritt sie auf? Was ist kurz davor passiert? Wie fühlt sich dein Körper an?
    3. Gefühle aufschreiben – kurz und ehrlich
      Schreibe genau in diesen Momenten ein paar Stichworte auf. Nicht analysieren. Nicht bewerten. Nur festhalten, was da ist. Das allein kann den Autopiloten unterbrechen.
    4. Bewusstheit vor Veränderung stellen
      Erst danach lohnt sich die Frage: Was würde mir in diesem Moment wirklich helfen?
      Manchmal ist die Antwort überraschend simpel. Manchmal braucht sie Zeit. Beides ist in Ordnung.

    Zum Schluss

    Gewohnheiten verändern sich selten durch Druck.
    Sondern durch Aufmerksamkeit, Verständnis und Geduld. Ich werde weiterhin meine Eichhörnchen-Momente haben. Und das ist auch okay, solange ich versuche in solchen Momenten mehr in mich reinzuhorchen.

    Vielleicht beginnt persönliche Entwicklung nicht mit einer neuen Routine.
    Sondern mit der Entscheidung, sich selbst besser wahrzunehmen – auch in den Momenten, die nicht besonders schön oder erfolgreich wirken.

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  • Warum persönliche Entwicklung keine Abkürzung kennt

    Warum persönliche Entwicklung keine Abkürzung kennt

    Persönliche Entwicklung klingt oft nach Fortschritt. Nach Klarheit, nach Ankommen, nach dem Gefühl endlich „weiter“ zu sein.
    In der Realität fühlt sie sich allerdings selten so aufgeräumt an.

    Meistens ist sie langsamer, ist manchmal auch irgendwie etwas unbequem und fühlt sich so gar nicht nach Fortschritt an. Mindestens aber deutlich weniger linear, als viele Bücher, Podcasts oder Routinen es versprechen. Ich kenne es von mir selber: ich bin so motiviert, eine neue Gewohnheit aufzubauen. Kaufe mir eine Yogamatte weil ich jetzt endlich so richtig als Yogi durchstarten möchte. Melde mich beim Spinning an weil ich meine Kondition verbessern möchte. Und dann kommt der Alltag. Die Motivation sinkt schleichend und die Angst davor, die Gewohnheit wieder aufzugeben, wird immer größer. Und dann passiert es doch, kurz bevor man aufgeben möchte: Das beruhigende Gefühl, es jetzt endlich verstanden zu haben. Es stellt sich oft genau dann ein, wenn man kurz davor ist, wieder am Anfang zu stehen. Aber bin ich damit jetzt angekommen?

    Vielleicht liegt genau da das Missverständnis: dass persönliche Entwicklung wie ein Weg und einem Ziel gedacht wird. Bei dem es doch bestimmt auch diesen einen wundersamen Tipp gibt, diese eine Abkürzung. Als etwas, das man optimieren, beschleunigen oder möglichst richtig machen kann. Dabei ist sie eher ein laaaanger Weg, oder ein Prozess, der Zeit braucht. Und Geduld. Vor allem mit sich selbst. Mit dem eigenen Tempo und mit der Realisierung, dass man AUF JEDEN FALL dabei ins Stolpern gerät. Immer und immer wieder. Und das es dazu gehört. Manchmal durch einen selbst, manchmal weil das Leben einem ein „Beinchen stellt“. Aber die Realität ist nun mal, dass man es nicht umgehen kann, dass es passiert. Und dann steht man wieder auf.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass man aus jedem Stolpern etwas für sich mitnehmen kann. Dieser Text ist kein Versuch, eine neue Methode darzustellen. Sondern eher eine Einladung, Entwicklung mal anders zu betrachten: nicht als Ziel, das man zwanghaft versucht zu erreichen, sondern als kontinuierliche Bewegung. Ohne Abkürzungen. Und mit der stillen Hoffnung, dass man sich immer wieder daran erinnert, über das Stolpern hinwegzulächeln. Folgenden Satz habe ich von einem ganz besonderen Menschen immer und immer wieder gehört: wenn wir unseren Humor verlieren, sind WIR verloren. Und daran möchte ich mich selber und euch immer wieder erinnern – nicht zu verkrampfen. Die 5 auch mal gerade sein zu lassen. 🙂

    Was dabei oft unsichtbar bleibt

    Was man an persönlicher Entwicklung meistens nicht sieht, sind die Momente dazwischen. Nicht der Vorsatz, nicht das Ziel. Sondern dieser innere Schweinehund, der einen so sehr davon überzeugen will, sich jetzt vor den Fernseher zu setzen anstatt zum Yoga zu gehen. Ich nenne ihn liebevoll „Sir Schweini von Später“.

    KI-generiertes Bild

    Oder die Tage, an denen man sich vornimmt, auf jeden Fall abends früher ins Bett zu gehen um mehr Schlaf zu bekommen. Nur um abends dann mit ‚Sir Schweini von Später‘ zu kämpfen, ob man sich nach dem langen und stressigen Arbeitstag nicht doch lieber von einer Serie beschallen lassen sollte. Oder die Phasen, in denen man achtsamer mit sich sein möchte, aber weder fünf Minuten für eine Meditation findet, noch die Energie für einen achtsamen Moment aufbringt. Die guten Absichten sind da. Der Alltag leider auch. Man weiß theoretisch, was man tun müsste. Aber, man oh man, es kann so schwierig sein am Ball zu bleiben. Oder überhaupt zu starten.

    Diese Momente fühlen sich dann gar nicht so nach Entwicklung an. Eher nach Scheitern. Nach Stillstand.

    Dabei sind es genau diese Situationen, in denen persönliche Entwicklung tatsächlich stattfindet. In denen man herausgefordert wird und die Wahl hat, zwischen Stillstand oder Entwicklung. In denen man sich den inneren Kämpfen mit ‚Sir Schweini von Später‘ aussetzt. Nur eben nicht sichtbar, nicht vorzeigbar und schon gar nicht Social-Media-tauglich.

    Neujahrsvorsätze und die Realität

    New year, new me! Viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Mehr Bewegung. Mehr Achtsamkeit. Weniger Stress. Mehr Zeit für sich oder seine Liebsten. Weniger Alkohol oder weniger Social Media.
    Und jedes Jahr gegen Ende Januar schmeißen die meisten Menschen ihre Vorsätze schon wieder über Bord. Das zeigt, wie schwer es ist, diese Vorsätze dauerhaft in sein Leben zu integrieren. Nicht, weil die Menschen faul sind oder es ihnen an Disziplin fehlt. Sondern weil eine dauerhafte Veränderung im Alltag viel schwieriger zu integrieren ist, als eine gute Absicht.

    Zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der tatsächlichen Umsetzung liegt oft fehlende Zeit, der oben genannte ‚Sir Schweini‘ oder tausend andere gute Gründe und Prioritäten.
    ABER: Das Scheitern an Vorsätzen ist deshalb kein persönliches Versagen. Es ist nur ein Hinweis darauf, dass Entwicklung nicht nur durch einen einzigen Entschluss entsteht. Es ist eben ein Weg, auf den man sich begeben kann. Und das am besten mit Menschen um einen herum, die dir aufhelfen, wenn du mal stolperst.

    Warum kleine Veränderungen so schwer sind

    Es ist ja nicht so, als wüssten die meisten Menschen nicht selber, dass es ihnen gut tun würde, sich mit gewissen Themen auseinanderzusetzen. Zu reflektieren, Dinge aufzuschreiben. Bewusster mit sich selbst umzugehen und sich manchmal die unangenehmen Fragen zu stellen. Und dann ins Handeln zu kommen.

    Und trotzdem ist es so unglaublich herausfordernd. Wo fängt man an? Es braucht doch immerhin große Veränderungen? Oder?

    Kleine Veränderungen klingen harmlos. Sind es aber nicht. Sie greifen in bestehende Gewohnheiten ein, stellen Routinen infrage und bringen Unruhe in etwas, das sich zumindest vertraut anfühlt. Man geht außerhalb seiner Komfortzone die, naja, eben komfortabel ist.

    Warum es kein Ziel gibt – und keine Abkürzung

    Wenn wir ehrlich sind, gibt es in der persönlichen Entwicklung kein klares Ziel. Es gibt keinen Punkt, an dem alles „bearbeitet“ ist. Persönliche Entwicklung ist kein Projekt mit Enddatum. Es gibt kein Ankommen – sondern eher Phasen, die wir durchleben.

    Eine Abkürzung gibt es dafür nicht. Und vielleicht braucht es sie auch gar nicht.

    Denn das, was wir als unangenehm empfinden – Zweifel, Wiederstände aka ‚Sir Schweini von Später‘, unbequeme Gedanken – ist oft genau das, was uns auf etwas hinweist, das gesehen werden möchte. Nicht als Problem, das schnell gelöst wird, sondern als Hinweis oder Einladung, mal genauer hinzuschauen.

    Persönliche Entwicklung als Achterbahnfahrt

    Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen kann total viel Spaß machen. Etwas Neues über sich kennenlernen. Welche Wünsche und Träume habe ich im Leben? Wer möchte ich eigentlich sein? Welche Werte sind mir wichtig? Aber natürlich wäre das Leben nicht das Leben, wenn es nicht auch Talfahrten gibt. Ziemlich anstrengende Talfahrten. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen ist manchmal echt zäh und stellenweise frustrierend.

    Unangenehme Gedanken können ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht ganz stimmig ist. Dass etwas verdrängt wird und vielleicht Raum haben möchte.

    Es ist ein auf und ab, so wie alles im Leben. Manchmal fühlt es sich wie ein Fortschritt an, manchmal eben wie ein Rückschritt.

    Eine Einladung, deine Gedanken in Bewegung zu bringen

    Dieser Blog ist kein Psychologieblog. Und er verspricht auch keine Lösungen oder Heilung.

    Er ist ein Ort, an dem es um Achtsamkeit, Reflexion, Journaling, Gewohnheiten, Dankbarkeit und Selbstachtung geht – nicht als Methoden, die man „richtig“ anwenden muss, sondern als Inspirationen, die im Alltag helfen können. Mal mehr, mal weniger.

    Persönliche Entwicklung verläuft selten geradlinig. Und das ist gut so. Denn das Leben verläuft eben auch nie geradlinig.
    Und manchmal reicht es, genau dort anzufangen, wo man gerade steht. Und geht einfach los.

    Ohne Abkürzungen.
    Mit Geduld.
    Mit der Erlaubnis, unterwegs auch mal zu stolpern. Und dann mit einem Lächeln wieder aufzustehen. Denn ihr wisst ja: wenn wir unseren Humor verlieren, sind WIR verloren. 🙂