Persönliche Entwicklung klingt oft nach Fortschritt. Nach Klarheit, nach Ankommen, nach dem Gefühl endlich „weiter“ zu sein.
In der Realität fühlt sie sich allerdings selten so aufgeräumt an.
Meistens ist sie langsamer, ist manchmal auch irgendwie etwas unbequem und fühlt sich so gar nicht nach Fortschritt an. Mindestens aber deutlich weniger linear, als viele Bücher, Podcasts oder Routinen es versprechen. Ich kenne es von mir selber: ich bin so motiviert, eine neue Gewohnheit aufzubauen. Kaufe mir eine Yogamatte weil ich jetzt endlich so richtig als Yogi durchstarten möchte. Melde mich beim Spinning an weil ich meine Kondition verbessern möchte. Und dann kommt der Alltag. Die Motivation sinkt schleichend und die Angst davor, die Gewohnheit wieder aufzugeben, wird immer größer. Und dann passiert es doch, kurz bevor man aufgeben möchte: Das beruhigende Gefühl, es jetzt endlich verstanden zu haben. Es stellt sich oft genau dann ein, wenn man kurz davor ist, wieder am Anfang zu stehen. Aber bin ich damit jetzt angekommen?
Vielleicht liegt genau da das Missverständnis: dass persönliche Entwicklung wie ein Weg und einem Ziel gedacht wird. Bei dem es doch bestimmt auch diesen einen wundersamen Tipp gibt, diese eine Abkürzung. Als etwas, das man optimieren, beschleunigen oder möglichst richtig machen kann. Dabei ist sie eher ein laaaanger Weg, oder ein Prozess, der Zeit braucht. Und Geduld. Vor allem mit sich selbst. Mit dem eigenen Tempo und mit der Realisierung, dass man AUF JEDEN FALL dabei ins Stolpern gerät. Immer und immer wieder. Und das es dazu gehört. Manchmal durch einen selbst, manchmal weil das Leben einem ein „Beinchen stellt“. Aber die Realität ist nun mal, dass man es nicht umgehen kann, dass es passiert. Und dann steht man wieder auf.
Ich bin der festen Überzeugung, dass man aus jedem Stolpern etwas für sich mitnehmen kann. Dieser Text ist kein Versuch, eine neue Methode darzustellen. Sondern eher eine Einladung, Entwicklung mal anders zu betrachten: nicht als Ziel, das man zwanghaft versucht zu erreichen, sondern als kontinuierliche Bewegung. Ohne Abkürzungen. Und mit der stillen Hoffnung, dass man sich immer wieder daran erinnert, über das Stolpern hinwegzulächeln. Folgenden Satz habe ich von einem ganz besonderen Menschen immer und immer wieder gehört: wenn wir unseren Humor verlieren, sind WIR verloren. Und daran möchte ich mich selber und euch immer wieder erinnern – nicht zu verkrampfen. Die 5 auch mal gerade sein zu lassen. 🙂
Was dabei oft unsichtbar bleibt
Was man an persönlicher Entwicklung meistens nicht sieht, sind die Momente dazwischen. Nicht der Vorsatz, nicht das Ziel. Sondern dieser innere Schweinehund, der einen so sehr davon überzeugen will, sich jetzt vor den Fernseher zu setzen anstatt zum Yoga zu gehen. Ich nenne ihn liebevoll „Sir Schweini von Später“.

Oder die Tage, an denen man sich vornimmt, auf jeden Fall abends früher ins Bett zu gehen um mehr Schlaf zu bekommen. Nur um abends dann mit ‚Sir Schweini von Später‘ zu kämpfen, ob man sich nach dem langen und stressigen Arbeitstag nicht doch lieber von einer Serie beschallen lassen sollte. Oder die Phasen, in denen man achtsamer mit sich sein möchte, aber weder fünf Minuten für eine Meditation findet, noch die Energie für einen achtsamen Moment aufbringt. Die guten Absichten sind da. Der Alltag leider auch. Man weiß theoretisch, was man tun müsste. Aber, man oh man, es kann so schwierig sein am Ball zu bleiben. Oder überhaupt zu starten.
Diese Momente fühlen sich dann gar nicht so nach Entwicklung an. Eher nach Scheitern. Nach Stillstand.
Dabei sind es genau diese Situationen, in denen persönliche Entwicklung tatsächlich stattfindet. In denen man herausgefordert wird und die Wahl hat, zwischen Stillstand oder Entwicklung. In denen man sich den inneren Kämpfen mit ‚Sir Schweini von Später‘ aussetzt. Nur eben nicht sichtbar, nicht vorzeigbar und schon gar nicht Social-Media-tauglich.
Neujahrsvorsätze und die Realität
New year, new me! Viele Menschen starten mit guten Vorsätzen ins neue Jahr. Mehr Bewegung. Mehr Achtsamkeit. Weniger Stress. Mehr Zeit für sich oder seine Liebsten. Weniger Alkohol oder weniger Social Media.
Und jedes Jahr gegen Ende Januar schmeißen die meisten Menschen ihre Vorsätze schon wieder über Bord. Das zeigt, wie schwer es ist, diese Vorsätze dauerhaft in sein Leben zu integrieren. Nicht, weil die Menschen faul sind oder es ihnen an Disziplin fehlt. Sondern weil eine dauerhafte Veränderung im Alltag viel schwieriger zu integrieren ist, als eine gute Absicht.
Zwischen dem Wunsch nach Veränderung und der tatsächlichen Umsetzung liegt oft fehlende Zeit, der oben genannte ‚Sir Schweini‘ oder tausend andere gute Gründe und Prioritäten.
ABER: Das Scheitern an Vorsätzen ist deshalb kein persönliches Versagen. Es ist nur ein Hinweis darauf, dass Entwicklung nicht nur durch einen einzigen Entschluss entsteht. Es ist eben ein Weg, auf den man sich begeben kann. Und das am besten mit Menschen um einen herum, die dir aufhelfen, wenn du mal stolperst.
Warum kleine Veränderungen so schwer sind
Es ist ja nicht so, als wüssten die meisten Menschen nicht selber, dass es ihnen gut tun würde, sich mit gewissen Themen auseinanderzusetzen. Zu reflektieren, Dinge aufzuschreiben. Bewusster mit sich selbst umzugehen und sich manchmal die unangenehmen Fragen zu stellen. Und dann ins Handeln zu kommen.
Und trotzdem ist es so unglaublich herausfordernd. Wo fängt man an? Es braucht doch immerhin große Veränderungen? Oder?
Kleine Veränderungen klingen harmlos. Sind es aber nicht. Sie greifen in bestehende Gewohnheiten ein, stellen Routinen infrage und bringen Unruhe in etwas, das sich zumindest vertraut anfühlt. Man geht außerhalb seiner Komfortzone die, naja, eben komfortabel ist.
Warum es kein Ziel gibt – und keine Abkürzung
Wenn wir ehrlich sind, gibt es in der persönlichen Entwicklung kein klares Ziel. Es gibt keinen Punkt, an dem alles „bearbeitet“ ist. Persönliche Entwicklung ist kein Projekt mit Enddatum. Es gibt kein Ankommen – sondern eher Phasen, die wir durchleben.
Eine Abkürzung gibt es dafür nicht. Und vielleicht braucht es sie auch gar nicht.
Denn das, was wir als unangenehm empfinden – Zweifel, Wiederstände aka ‚Sir Schweini von Später‘, unbequeme Gedanken – ist oft genau das, was uns auf etwas hinweist, das gesehen werden möchte. Nicht als Problem, das schnell gelöst wird, sondern als Hinweis oder Einladung, mal genauer hinzuschauen.
Persönliche Entwicklung als Achterbahnfahrt
Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen kann total viel Spaß machen. Etwas Neues über sich kennenlernen. Welche Wünsche und Träume habe ich im Leben? Wer möchte ich eigentlich sein? Welche Werte sind mir wichtig? Aber natürlich wäre das Leben nicht das Leben, wenn es nicht auch Talfahrten gibt. Ziemlich anstrengende Talfahrten. Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen ist manchmal echt zäh und stellenweise frustrierend.
Unangenehme Gedanken können ein Zeichen dafür sein, dass etwas nicht ganz stimmig ist. Dass etwas verdrängt wird und vielleicht Raum haben möchte.
Es ist ein auf und ab, so wie alles im Leben. Manchmal fühlt es sich wie ein Fortschritt an, manchmal eben wie ein Rückschritt.
Eine Einladung, deine Gedanken in Bewegung zu bringen
Dieser Blog ist kein Psychologieblog. Und er verspricht auch keine Lösungen oder Heilung.
Er ist ein Ort, an dem es um Achtsamkeit, Reflexion, Journaling, Gewohnheiten, Dankbarkeit und Selbstachtung geht – nicht als Methoden, die man „richtig“ anwenden muss, sondern als Inspirationen, die im Alltag helfen können. Mal mehr, mal weniger.
Persönliche Entwicklung verläuft selten geradlinig. Und das ist gut so. Denn das Leben verläuft eben auch nie geradlinig.
Und manchmal reicht es, genau dort anzufangen, wo man gerade steht. Und geht einfach los.
Ohne Abkürzungen.
Mit Geduld.
Mit der Erlaubnis, unterwegs auch mal zu stolpern. Und dann mit einem Lächeln wieder aufzustehen. Denn ihr wisst ja: wenn wir unseren Humor verlieren, sind WIR verloren. 🙂
