Wenn mir jemand damals gesagt hätte, dass einer der wichtigsten Kurse meines Studiums „Project YOU“ heißen würde, hätte ich vermutlich gelacht.
Tja, little did I know..
Ich habe in den Niederlanden International Business studiert. Klingt erstmal total cool. Ich habe es immer liebevoll „BWL auf Englisch“ genannt. Vielleicht etwas unspektakulär und wahrscheinlich ein bisschen lahm für viele. „Wer nicht weiß, was er oder sie mit dem Leben anfangen soll, fängt erstmal ein BWL Studium an.“ Wer kennt diesen Spruch nicht. Ich selber habe ich ihn immer etwas belächelt. Ich fand die Vorstellung ziemlich spannend, Wirtschaft zu studieren. Zahlen. Strategien. Internationale Märkte. Keiner hätte sich wohl vorstellen können, dass BWL irgendetwas mit Gefühlen, Reflexionen und ein tägliches Journalbuch zutun haben könnte.
Die Kursnamen an meiner holländischen Uni waren aber alles andere als ‚klassisch‘. Natürlich hatten wir auch Finance und Marketing. Aber eben auch den Kurs „Project YOU“.
Als Teil dieses Kurses sollten wir regelmäßig über uns selbst reflektieren. Schriftlich. Und wir wurden dafür benotet. Ehrlich gesagt dachte ich damals, dass das ein bisschen absurd sei. Wofür braucht man sowas bitte? Es geht doch hier um hier um Business.
Was damals völlig absurd wirkte, empfinde ich heute als eines der wertvollsten Geschenke meines Studiums.
Ein Buch, das alles ins Rollen brachte
Zu Beginn des Kurses sollten wir das Buch
„The 7 Habits of Highly Effective People“ von Stephen R. Covey lesen.
Ein Buch lesen – soweit, so normal.
Was danach kam, erschien uns allerdings ziemlich bescheuert.
Wir sollten nicht nur die sieben „Habits“ verstehen, sondern sie auf unser eigenes Leben beziehen und darüber einen Essay schreiben. Zusätzlich mussten wir ein tägliches Reflexionsjournal führen. Mindestens 15 Minuten am Tag.
„Jeden Tag reflektieren? Ernsthaft? Worüber denn bitte? Es passiert doch nicht täglich etwas Spektakuläres.“
Das waren nicht nur meine Gedanken.
Meine komplette Klasse war sich einig: Das kann doch nicht ernst gemeint sein.
Was ist in deinem ‚Circle of Influence‘?
Heute sehe ich das anders. Diese Übung war unglaublich kraftvoll. Und sie beeinflusst mich bis heute.
Covey beschreibt in seinem Buch sieben Gewohnheiten für „highly effective people“. Ich würde es wahrscheinlich eher „highly reflective people“ nennen.
Ich werde hier nicht jede Gewohnheit einzeln erklären – dafür gibt es genügend Zusammenfassungen online. Aber ein Prinzip ist mir besonders hängen geblieben: der Circle of Influence.
Der Circle of Influence beschreibt den Bereich, in dem wir tatsächlich handlungsfähig sind. Den Teil unseres Lebens, auf den wir aktiv Einfluss nehmen können.
Dem gegenüber steht der Circle of Concern – also alles, worüber wir uns sorgen, das wir aber nicht kontrollieren können.
Wenn wir unseren Fokus ständig auf Probleme, auf andere Menschen oder auf äußere Umstände richten, schrumpft unser Einflussbereich.
Wir geben Verantwortung ab. Wir reagieren nur noch – statt zu agieren.
In schwierigen Situationen frage ich mich deshalb heute bewusst:
- Was liegt gerade in meiner Macht?
- Welche Möglichkeiten ergeben sich trotz der Umstände?
- Und was gehört nicht in meinen Einflussbereich – und darf losgelassen werden?
Diese Fragen verändern Perspektiven und oft auch meine Entscheidungen.
Wie ich heute zu Journaling stehe
Am Anfang war das Journal mühsam.
Ich wusste oft nicht, worüber ich schreiben sollte und mir kam mein Alltag zu unspektakulär vor.
Aber genau da lag der Denkfehler.
Reflexion braucht keine großen Ereignisse, sondern eigentlich nur ein bisschen Aufmerksamkeit und regelmäßige Übung.
Was sich damals wie eine unnütze Aktivität anfühlte, war in Wahrheit Training. Reflektieren ist wie ein Muskel. Am Anfang fühlt es sich ungewohnt an. Vielleicht sogar anstrengend. Aber je öfter man ihn benutzt, desto stärker wird die Fähigkeit. Es ist ein Training darin, Verantwortung zu übernehmen, den eigenen Handlungsspielraum zu erkennen und nicht nur zu reagieren, sondern bewusst zu entscheiden.
Heute weiß ich: Es geht nicht darum, etwas Außergewöhnliches zu erleben und darüber zu reflektieren. Sondern darum, Gewöhnliches bewusst zu betrachten. Journaling ist zu meiner Routine geworden und ich merke, wie es mir hilft, meine Gedanken und Gefühle klarer zu verstehen und zu verarbeiten.
Und genau das ist für mich heute Journaling:
kein Trend, sondern ein Werkzeug, um klarer zu sehen.

Wie sieht deine Morgenroutine aus?
Fragen für deine nächste Herausforderung
Falls du das nächste Mal in einer schwierigen Situation bist, kannst du dir gerne mal über folgende Fragen deine ganz persönlichen Gedanken machen:
- Was liegt gerade in meinem Handlungsspielraum?
- Und wie kann ich ihn erweitern?
- Und wo darf ich aufhören, Energie zu verschwenden, weil ich es ohnehin nicht ändern kann?
Vielleicht beginnt Veränderung nicht mit einer perfekten Lösung, sondern mit einer ehrlichen Reflexion.
Wie begegnest du dem Thema Reflexion in deinem Leben?

